Karrierekiller für Frauen

Chief Information Officers (CIOs) sind selten weiblich. Deutschland ist nach den Erfahrungen der Personalvermittlung von Heidrick & Struggles ein besonders hartes Pflaster für Frauen. Nach Zahlen dieses Unternehmens liegt Deutschland in der Vermittlung von weiblichen CIOs an letzter Stelle [1].

Die aufgeführten Gründe in dem Artikel von Frau Thiemann, gehen in die Richtung, dass der Fehler zu einem großen Teil bei den Frauen zu suchen ist, die sich nicht „ultimativ“ für ihre Karriere einsetzen. Leider fehlt jede Idee, wieso es zu diesem Eindruck kommen kann und wieso die Skandinavierinnen und Frauen aus Osteuropa ein „männlicheres“ Auftreten haben, also klarer und selbstbewusster auftreten. Frauen und Technik ist ein spezielles Problem in Deutschland und wir sollten anfangen die Ursachen klar zubenennen. Das Manspainling (Männer erklären die Welt) fängt schon im Kinderfernsehen an [2] und setzt sich, wie leicht nachgezählt werden kann, in den allermeisten Ratesendungen für Kinder, Erwachsene und Familien fort. Dazu kommt, dass der Wohlstand in Deutschland die Frauen nicht dazu zwingt sich gegen ihre Sozialisation zu verhalten. D.h. wir kommen in Deutschland nicht weiter, wenn die Sozialisation sich nicht ändert. Medien spielen dabei eine wesentliche Rolle.

 

[1] Sabine Thiemann, Die Karrierekiller für Frauen, CIO, https://www.cio.de/a/die-karrierekiller-fuer-frauen,3591012, 09.11.2018, letzter Zugriff 11.11.2018

[2] Joley Ketterer, Sexismus fängt schon im Kinderfernsehen an, Broadly, https://broadly.vice.com/de/article/qvpevv/sexismus-faengt-schon-im-kinderfernsehen-an-mansplaining-studie, 14.07.2017, letzter Zugriff 11.11.2018

#gendercount

Unter #gendercount berichten Benutzer*innen auf Twitter wie viele Frauen und Männer sie bei öffentlichen Auftritten, Diskussionsrunden oder Konferenzen beobachten können. Die Zählungen sind persönlich, meist kurz und niemand  scheint sie zubeachten. Es gibt nur wenige Likes und sie werden auch wenig geteilt.

Diese Zählungen könnten ein großartiges Indiz für die Ungleichheit in unserer Gesellschaft sein. Die Tweets können zwar häufig nicht unabhängig verifiziert werden, aber es gibt auch keinen Grund für Privatpersonen sich solche Zahlen auszudenken. Deswegen kann mit einer gewissen Ungenauigkeit davon ausgegangen werden, dass die Zahlen realitätsnah sind.

Der Naturschutzverein Nabu setzt bei der Beurteilung der Vogelpopulation in deutschen Gärten auch auf die Zählung von Privatpersonen und veröffentlicht zweimal jährlich eine Bericht über den Bestand der verschiedenen Vogelarten. Es wird dabei in Kauf genommen, dass Vogelarten verwechselt werden können, denn es ist für Laien nicht einfach zum Beispiel Kohlmeisen von Haussperlingen zu unterscheiden. Wenn man davon ausgeht, dass Irrtümer gleichverteilt sind, dann kann bei einer großen Anzahl von Zählungen davon ausgegangen werden, dass sich die Fehler gegenseitig aufheben.

Ähnlich könnte das auch funktionieren, wenn viele Genderzählungen zusammen betrachtet werden. In jeder Zählung könnte es Fehler geben, weil eine Frau oder ein Mann übersehen oder falsch zugeordnet wurden. Im Mittel werden die Zählungen jedoch die Verteilung ziemlich gut wiedergeben. Wenn es Zählberichte von verschiedenen Personen zu ein und derselben Gelegenheit, wie zum Beispiel der Besetzung eines Panels einer Konferenz oder der Expert*innen einer Fernsehtalkrunde, geben würde, dann könnten Fehler fast ganz ausgeschlossen werden.

Da Twitter keine Tweets löscht, trägt jede Zählung mit dem #gendercount zu einer Bestandsaufnahme der Gendergerechtigkeit bei. Liebe Mitsteiter*innen bitte beginnt mit dem Zählen von Frauen und Männern bei öffentlichen Auftritten, in Fernsehsendungen und Konferenzen.

Schwarzer Tag für die Wissenschaften

Gestern war wieder so ein schwarzer Tag für die Wissenschaften… zumindestest wenn Sie mit Ihren Kindern die Sendung „Frag doch mal die Maus“ zur besten Fernsehzeit, Samstagabend 20.15 Uhr im Ersten geschaut haben. Grob mitgenommen habe ich, dass Tanz und Musik etwas für Mädchen sind und Abenteuer und Technik (Drohnen fliegen) etwas für Jungs. Nur das Trommeln scheint für Mädchen und Jungen gleich attraktiv zu sein. Meine persönliche Einschätzung kann leider mit Zahlen unterlegt werden. Grob kann bei der Sendung zwischen den folgenden Gruppen unterschieden werden:

  • ModeratorInnen in der Halle und in Außenstellen
  • Mitglieder in den beiden Rateteams
  • hinzugezogene ExpertInnen zur Erklärung der Sachverhalte oder Ausführung von Versuchen
  • Fragekinder, die mit eigenen Fragen an die Sendung herantreten und die meist auch ExpertInnen auf einem Gebiet sind
  • Könnerkinder, die keine eigenen Fragen stellen, aber ihre Fähigkeiten zeigen

Während rein zahlenmäßig die Mädchen und Jungs bei den in der Sendung aufgetretenen Kindern fast ausgeglichen waren (6 Mädchen und 7 Jungs), gab es bei den Hauptakteuren (meiste Sendezeit) ein starkes Übergewicht an Männern. Neben dem Moderator in der Halle, Eckard von Hirschhausen, hatten eine Moderatorin und ein Moderator die Verantwortung bei zwei Außenwettbewerben – insgesamt also 1 Frau und 2 Männer, wobei die ModeratorInnen in den Außenstellen eine untergeordnete Rolle gespielt haben. In den beiden Rateteams waren jeweils eine Frau und zwei Männer – insgesamt also 2 Frauen und 4 Männer. Unter den zugezogenen ExpertInnen war nicht eine Frau – insgesamt also 0 Frauen und 6 Männer, wobei nur solche mit Redeanteil gezählt wurden. Wenn alle bildlich dargestellten gezählt worden wären, wäre das Verhältnis noch dramatischer, weil beim Hundetraining und dem Drohnenfliegen eine Reihe von männlichen Experten gezeigt wurden.

33% Frauen in den Rollen, in denen es hauptsächlich auf Bekanntheit und Beliebtheit ankommt, ist ärgerlich, weil es den Status Quo der Ungleichbehandlung entspricht und keine positiven Botschaften in Richtung der Frauen in den Wissenschaften schickt. Wobei nichts gegen die einzelnen Akteure zu sagen ist, auch Herr von Hirschhausen hat einen guten Job gemacht.  Die Präsenz in Minuten und Wortbeiträgen kann aber nicht mehr durch ExpertInnen oder die Kinder aufgeholt werden. ModeratorInnen und das Rateteam prägen damit das „Gesicht“ einer Sendung.

0% Frauen als erwachsene Expertinnen, die als Vorbilder für junge Frauen und Mädchen dringend gebraucht würden und auch in ausreichender Anzahl zu Verfügung stehen, ist unverantwortlich. Die Könnerkinder können dieses verheerende Bild nur ein wenig retten.

Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sollten sich der Verantwortung für mehr Frauen in der Wissenschaft und Technik stellen. Die Sendung mit der Maus hat da leider eine sehr männlich geprägte Vergangenheit. Aus dieser sollte sie sich endlich lösen oder aber vom Bildschirm verschwinden.

Männer für Gleichstellung

Die Gleichstellung von Frauen und Männern kann nur gelingen, wenn beide Geschlechter die noch bestehenden Ungerechtigkeiten kennen und für Veränderungen eintreten.

HeForShe ist eine Initiative der UN Women Organisation, die seit 2014 explizit Männer anspricht, um mit den Frauen gemeinsam die Gleichstellung voranzutreiben. Die Webseite zeigt in einer Weltkarte, wie viele Bekenntnisse und Aktionen stattfinden.

Mit dem Wo.men@work Preis werden in Belgien Geschäftsführer/innen ausgezeichnet, die sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern einsetzen. Seit 2010 sind bereits viele Frauen und Männer als Botschafter für Gender Diversity ausgezeichnet worden. Warum diese Manager/innen die Gleichstellung vorantreiben, erklären sie in ihren Video-Botschaften.

Beide Seiten wurden auf die Liste der lesenwerten Links über Gender Diversity im GeDiCap-Wiki aufgenommen.