#gendercount

Unter #gendercount berichten Benutzer*innen auf Twitter wie viele Frauen und Männer sie bei öffentlichen Auftritten, Diskussionsrunden oder Konferenzen beobachten können. Die Zählungen sind persönlich, meist kurz und niemand  scheint sie zubeachten. Es gibt nur wenige Likes und sie werden auch wenig geteilt.

Diese Zählungen könnten ein großartiges Indiz für die Ungleichheit in unserer Gesellschaft sein. Die Tweets können zwar häufig nicht unabhängig verifiziert werden, aber es gibt auch keinen Grund für Privatpersonen sich solche Zahlen auszudenken. Deswegen kann mit einer gewissen Ungenauigkeit davon ausgegangen werden, dass die Zahlen realitätsnah sind.

Der Naturschutzverein Nabu setzt bei der Beurteilung der Vogelpopulation in deutschen Gärten auch auf die Zählung von Privatpersonen und veröffentlicht zweimal jährlich eine Bericht über den Bestand der verschiedenen Vogelarten. Es wird dabei in Kauf genommen, dass Vogelarten verwechselt werden können, denn es ist für Laien nicht einfach zum Beispiel Kohlmeisen von Haussperlingen zu unterscheiden. Wenn man davon ausgeht, dass Irrtümer gleichverteilt sind, dann kann bei einer großen Anzahl von Zählungen davon ausgegangen werden, dass sich die Fehler gegenseitig aufheben.

Ähnlich könnte das auch funktionieren, wenn viele Genderzählungen zusammen betrachtet werden. In jeder Zählung könnte es Fehler geben, weil eine Frau oder ein Mann übersehen oder falsch zugeordnet wurden. Im Mittel werden die Zählungen jedoch die Verteilung ziemlich gut wiedergeben. Wenn es Zählberichte von verschiedenen Personen zu ein und derselben Gelegenheit, wie zum Beispiel der Besetzung eines Panels einer Konferenz oder der Expert*innen einer Fernsehtalkrunde, geben würde, dann könnten Fehler fast ganz ausgeschlossen werden.

Da Twitter keine Tweets löscht, trägt jede Zählung mit dem #gendercount zu einer Bestandsaufnahme der Gendergerechtigkeit bei. Liebe Mitsteiter*innen bitte beginnt mit dem Zählen von Frauen und Männern bei öffentlichen Auftritten, in Fernsehsendungen und Konferenzen.

ESE 2018 – Programm online

Das Programm vom Embedded Software Engineering Kongress ist online. Mein Vortrag „Systemtest von eHealth Service-Robotern im häuslichen Umfeld – Komplexität systematisch in den Griff bekommen“ findet am 6. Dezember 2018 statt. Zusammen mit meiner Tochter Robin Kirschner, Masterstudentin in Maschinenbau an der TU Chemnitz habe ich einige Studien über eHealth Roboter zusammengefaßt und die Testkategorien systematisiert. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sich Robin mit Sicherheitsaspekten in der Mensch-Maschinen-Kooperation bei Industrierobotern. eHealth und Industrieroboter sind heute noch sehr unterschiedlich, einige Grundprinzipien passen jedoch auf beide Bereiche und die Kooperation von Mensch und Maschine führt zu einer weiteren Annäherung. Manchen eHealth Robotern (z.B. den LIO, den ich schon im Blogbeitrag im August vorgestellt habe) sieht man an, dass sie aus der Industrierobotik stammen.

https://www.ese-kongress.de/

PS: Mal sehen, wie ich den Nikolaus in den Vortrag einbinden kann.

Schwarzer Tag für die Wissenschaften

Gestern war wieder so ein schwarzer Tag für die Wissenschaften… zumindestest wenn Sie mit Ihren Kindern die Sendung „Frag doch mal die Maus“ zur besten Fernsehzeit, Samstagabend 20.15 Uhr im Ersten geschaut haben. Grob mitgenommen habe ich, dass Tanz und Musik etwas für Mädchen sind und Abenteuer und Technik (Drohnen fliegen) etwas für Jungs. Nur das Trommeln scheint für Mädchen und Jungen gleich attraktiv zu sein. Meine persönliche Einschätzung kann leider mit Zahlen unterlegt werden. Grob kann bei der Sendung zwischen den folgenden Gruppen unterschieden werden:

  • ModeratorInnen in der Halle und in Außenstellen
  • Mitglieder in den beiden Rateteams
  • hinzugezogene ExpertInnen zur Erklärung der Sachverhalte oder Ausführung von Versuchen
  • Fragekinder, die mit eigenen Fragen an die Sendung herantreten und die meist auch ExpertInnen auf einem Gebiet sind
  • Könnerkinder, die keine eigenen Fragen stellen, aber ihre Fähigkeiten zeigen

Während rein zahlenmäßig die Mädchen und Jungs bei den in der Sendung aufgetretenen Kindern fast ausgeglichen waren (6 Mädchen und 7 Jungs), gab es bei den Hauptakteuren (meiste Sendezeit) ein starkes Übergewicht an Männern. Neben dem Moderator in der Halle, Eckard von Hirschhausen, hatten eine Moderatorin und ein Moderator die Verantwortung bei zwei Außenwettbewerben – insgesamt also 1 Frau und 2 Männer, wobei die ModeratorInnen in den Außenstellen eine untergeordnete Rolle gespielt haben. In den beiden Rateteams waren jeweils eine Frau und zwei Männer – insgesamt also 2 Frauen und 4 Männer. Unter den zugezogenen ExpertInnen war nicht eine Frau – insgesamt also 0 Frauen und 6 Männer, wobei nur solche mit Redeanteil gezählt wurden. Wenn alle bildlich dargestellten gezählt worden wären, wäre das Verhältnis noch dramatischer, weil beim Hundetraining und dem Drohnenfliegen eine Reihe von männlichen Experten gezeigt wurden.

33% Frauen in den Rollen, in denen es hauptsächlich auf Bekanntheit und Beliebtheit ankommt, ist ärgerlich, weil es den Status Quo der Ungleichbehandlung entspricht und keine positiven Botschaften in Richtung der Frauen in den Wissenschaften schickt. Wobei nichts gegen die einzelnen Akteure zu sagen ist, auch Herr von Hirschhausen hat einen guten Job gemacht.  Die Präsenz in Minuten und Wortbeiträgen kann aber nicht mehr durch ExpertInnen oder die Kinder aufgeholt werden. ModeratorInnen und das Rateteam prägen damit das „Gesicht“ einer Sendung.

0% Frauen als erwachsene Expertinnen, die als Vorbilder für junge Frauen und Mädchen dringend gebraucht würden und auch in ausreichender Anzahl zu Verfügung stehen, ist unverantwortlich. Die Könnerkinder können dieses verheerende Bild nur ein wenig retten.

Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sollten sich der Verantwortung für mehr Frauen in der Wissenschaft und Technik stellen. Die Sendung mit der Maus hat da leider eine sehr männlich geprägte Vergangenheit. Aus dieser sollte sie sich endlich lösen oder aber vom Bildschirm verschwinden.

Automatica 2018: Intelligente Roboter

Hier ein paar Impressionen von der Automatica 2018: Witziges, Intelligentes und Elegantes.

Der Care-O-Bot erzählt Witze, die nicht alle verstehen können, aber vielleicht gibt es ja jemanden, der daraus eine Botschaft ableiten kann..

Video auf Twitter

Der elegante LIO sieht niedlich aus, kann aber eine ganze Menge: soziale Interaktion, Handreichungen mit der Zange im „Gesicht“ und Erkennen von Notfällen. Er ist für Pflegeheime erdacht worden, auch wenn er an einen eleganten Industrieroboter erinnert.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch die Enkel*innen auf die Pflegeroboter stehen und dann einen guten Grund haben, ihre Großeltern in der Pflegeeinrichtung zu besuchen.

 

 

Cebit: In der Zukunft sind wir noch nicht…

Leider habe ich es dieses Jahr wieder nicht geschafft zur Cebit zu kommen. Aber vielleicht lohnt es sich ja auch noch nicht, denn die Zukunft scheint noch weit weg zu sein, wie die Report der Faz berichten (Link zu YouTube-Bericht). Weder Pepper noch der KIT-Roboter scheinen alltagstauglich zu sein. Oder erwarten wir zuviel? Zu klären bleibt, was wir eigentlich überhaupt von Robotern im Haushalt oder für die Unterstützung der Gesundheit erwarten. Wenn wir das wissen, dann sollten wir die Technik danach ausrichten und nicht versuchen Menschen nachzubilden.

 

Frauenbild in Japan

Auf den Straßen in Japan können die verschiedesten Menschen beobachtet werden: Fauen und Männer, Menschen in zum Teil abenteuerlichen Selbstdarstellungen. Trotz aller Unterschiede scheint das Frauenbild noch sehr traditionell zu sein, wobei die Tradition modern verpackt ist. Betrachtet man die Darstellung der Frauen im Museum in Tokio (National Museum), bekommt man einen Eindruck der traditionellen Sichtweise. Frauen sind meist Männern zugeordnet. Die unterwürfige Haltung der Frau bei der Heiratszeremonie ist besonders stark ausgeprägt.

Hochzeitszeremonie

Frauen werden aber auch einzeln und unabhängig dargestellt. Dann handelt es sich meist aber um Künstlerinnen oder Geishas.

Teil eines Bildes

Fast auf gleicher Augenhöhe scheint sich ein Paar dargestellt zu haben. Allerdings hat er einen Namen, während sie nur als die Frau von… dargestellt wird.

Herr mit Namen und Fau (ohne eigenen Namen)

Auch die Frau des Kaisers hat keinen eigenen Namen.

Frau des Kaisers

Die Puppendarstellung eines Paares zeigt deutlich, was von einer Frau und einem Mann erwartet wird.

Darstellung Paar

In den Kult-Comics in Japan – den Mangas – ist das Bild der Fauen durchaus vielfältiger geworden, allerdings sind alle Augen rund und Nasen nicht mehr wirklich vorhanden. Diesem Schönheitsideal eifern die JapanerInnen heute nach. Insbesondere für Frauen bedeutet das, niedlich zu sein. Damit hat sich die Tradition der Unterordnung für Frauen zwar verändert, aber die Folgen sind ziemlich ähnlich. Ernstgenommen werden die Frauen mit den rosa Schleifen nicht, sondern die Herren in den dunklen Anzügen.

Frauen in Nagoya 2018

Technikkunst

In vielen gewöhnlichen Dingen wohnt eine Schönheit, die es zu entdecken gilt. Die rosa und türkisfarbenen Kabel der Industrieroboter, wirken wie schüchterne, aber frische Akzente auf den weißen, starken Armen der Industrieroboter im Industriemuseum von Toyota (Nagoya, Japan).

Industriekunst (eigene Aufnahme)

Forschung nötig: Gesundheitsroboter

Kliniken und Forschungseinrichtungen denken seit vielen Jahren über Roboter nach, die in der Klinik oder zuhause die Pflege oder Gesundheit unterstützen. Pepper ist 1,20 m groß und soll Patieten über den Krankheitsverlauf aufklären. Handreichungen im Privathaushalt stellen für den fast lebensgroße Roboter des KIT kein Problem dar. Auch die Filmindustrie hat das Thema schon aufgegriffen und dort ist auch zu sehen, welche Probleme es mit Gesundheits-Robotern geben könnte. Der Gesundheits-Roboter von Disney heißt Baymax und manchmal zu eifrig – Achtung sehr lustig 😉

An einer guten Lösung muss wohl noch gearbeitet werden.

Männer für Gleichstellung

Die Gleichstellung von Frauen und Männern kann nur gelingen, wenn beide Geschlechter die noch bestehenden Ungerechtigkeiten kennen und für Veränderungen eintreten.

HeForShe ist eine Initiative der UN Women Organisation, die seit 2014 explizit Männer anspricht, um mit den Frauen gemeinsam die Gleichstellung voranzutreiben. Die Webseite zeigt in einer Weltkarte, wie viele Bekenntnisse und Aktionen stattfinden.

Mit dem Wo.men@work Preis werden in Belgien Geschäftsführer/innen ausgezeichnet, die sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern einsetzen. Seit 2010 sind bereits viele Frauen und Männer als Botschafter für Gender Diversity ausgezeichnet worden. Warum diese Manager/innen die Gleichstellung vorantreiben, erklären sie in ihren Video-Botschaften.

Beide Seiten wurden auf die Liste der lesenwerten Links über Gender Diversity im GeDiCap-Wiki aufgenommen.

Neujahr 2018

„Ich grüße das neue Jahr. Mit großem Gepolter kommt es gerollt und rollt uns ins Glück oder Unglück, hält Dichter in Atem, die sagen, was zu sagen ist“

Rose Ausländer, ca. 1975, Arche Literaturkalender 2018

Viele beklagen zur Zeit, dass Twittern/Tweets meist spontan und unüberlegt sind und mehr Tiefgang häufig wünschenswert wäre.  Zu dieser Stimmung paßt das Gedicht von Rose Ausländer sehr gut.

Ich wünsche allen ein glückliches neues Jahr und der Gesellschaft, dass sie wieder ihre „DichterInnen“ findet, denen sie vertrauen kann.